Author Topic: Mini Port Medoc  (Read 1010 times)

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Offline andreas

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Mini Port Medoc
« on: August 23, 2007, 21:40:31 PM »
Hallo,
nur kurz...

die Mini Port Medoc war für diejenigen die angekommen sind letztendlich eine gute Veranstaltung, für die anderen sicher etwas traurig.
Es gab 24 Starter am Sonntag den 19.8. um 11:05 Uhr aber nur 3 Protos und 7 Serien-Boote kamen am nächsten Tag den 20.8. nachmittags, nach einer Bahnabkürzung wegen eines drohenden Sturms, ins Ziel.

14 Teilnehmer mussten aufgeben.

Wir haben bei den Serien-Booten den 4.Platz und gesamt den 7. Platz belegt ( nur 3 Protos kamen ins Ziel) und sind mehr als zufrieden. Denn es galt alle seine Nerven zusammen zu nehmen und erst mal eine brutale Startkreuz bei 30 Knoten Wind und Regen-Böen zu meistern. Wir waren gut gestartet und führten das Gesamtfeld eine gute Weile an. Danach auf offener See angekommen gings aber erst richtig zur Sache. Spitzen-Windgeschwindigkeiten (bei uns an Bord gemessen) bis 36 Knoten.

Der Begleit-Kat maß über 40 Kn und ist deshalb, genau wie das 2.te Begleit-Boot gleich wieder umgedreht. Von der BMS Sturm-Warnung haben wir zum Glück nichts mit bekommen und sind brav bei Kuhsturm und stunden-langen konstanten 28-32 Knoten wahren Wind durch den Tag und durch die kommende Nacht gekreuzt. Bis zum morgen die erste Bahnmarke um 6:00 Uhr auftauchte genau 100 SM ü.G. Der Atlantik zeigte sich von seiner unangenehmsten Seite. Die Wellen waren brutal hoch und schwappten kreuz und quer durcheinander. Das Boot krachte öfter im freien Fall in die Wellentäler oder bohrte sich mit dem Bug unversehens durch steile Wasserwände. Kein Vergnügen.

Irgendwann war alles, aber wirklich alles nass. Reger Schiffsverkehr vor La Rochelle auf dem Weg nach Les Sables taten seinen Rest. Der Rückweg ließ dann anfangs wenigstens 2x 20 Minuten-Schlaf-Einheiten zu, denn die Schwerelosigkeit unter Deck wurde mal für einige Momente aufgehoben. Aber nach ca. 90 Minuten dauer-glühen mit Gennacker (15,6  Kn. ü.G. in 3,5 Meter Wellen, bzw gefühlte 5 Meter...) war wieder Schluss mit lustig. Der kommende Sturm ( inzwischen hatte man uns aufgefordert nach einer Bahnabkürzung mit Sturmwarnung zurück zu laufen...) kündigte sich mit neuen Böen um die 34 Knoten an und das herrliche Sprit-Segel musste runter. Was danach kam kann man als fliegender Fisch wohl am ehesten verstehen. Pinne festhalten und die (wunden) Arschbacken zusammen kneifen und gleiten, gleiten, gleiten. Stundenlang. Gegen Süden wurden die Wellen dann wieder höher und das eine oder andere Mal konnte man nicht mehr hin sehen, ohne dass einem komisch wurde.

Dann der Alptraum-Ritt unter 3 Reffs und gereffter Fock durch den Chenal du nord mit vielen Halsen im engen Fahrwasser zwischen Monsterwellen die sich brechen in die Gironde Mündung hinein. Da fehlen mir die Worte. Aber ich glaube ich habe mehr als einmal gebetet....

Als wir ankamen waren die Knie weich, der Hintern wund, die Klamotten nass, das Boot leicht versehrt ( ein Riss im Längs-Stringer ), der Windex futsch, 2 Segel eingerissen, der Magen leer, die Füße nass ( Scheiss-Musto Zeug, teuer aber genauso undicht wie alles andere ) aber die Laune gut.

Ein Schock : POGO-2, FRA 678, war im Chenal in einer Riesenwelle gekentert, beide Mann über Bord. Mast im Grund. Es gelang ihnen aber nach einer Weile, der Rettungshubschrauber war wohl schon vor Ort, das Boot wieder aufzurichten, es leer zu pumpen und dann vom Rettungskreuzer reinschleppen zu lassen. Da wusste ich dass mein Schiss im Chenal nicht unbegründet war. Steuerfehler durfte man sich da nicht leisten.

Da lobe ich mir manchmal doch die Ostsee...

Ein großes Dankeschön an meinen jungen und sehr coolen und erfahrenen Mitsegler Hanns B. aus Stade, ohne den ich wahrscheinlich auch lieber in den kuscheligen Hafen zurück gelaufen wäre....

Viele Grüße,

Andreas

Fotos : http://web.mac.com/photo.lindlahr/iWeb/Web-Site%202/PortMedoc-Fotos.html
http://www.youtube.com/watch?v=gz7EQ8ydoGM
« Last Edit: August 27, 2007, 23:27:13 PM by andreas »